„Hoher Pachtzins hat nichts mit unlauterem Geschäft zu tun!“

EU-Parlamentarier Dorfmann kontert auf Aussagen des Pius Leitner
Der Landtagsabgeordnete der Freiheitlichen Pius Leitner beanstandet in einer Presseaussendung die hohen Pachtzinse für einige Almflächen in Südtirol und wittert dahinter ein unlauteres Geschäft. Es ist in der Tat so, dass einige oberitalienische Bauern seit Jahren zu stark überhöhten Preisen Almen in Südtirol pachten. „Die Gründe dafür sind allerdings vollkommen andere, wie die von Herrn Leitner vermuteten“ erklärt Herbert Dorfmann, Mitglied des Europäischen Parlaments.
Es handelt sich bei den Pächtern um landwirtschaftliche Betriebe, die aufgrund der historischen Entwicklung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik hohe Prämienrechte haben, weil sie vor Jahren große Betriebe hatten, die zum größten Teil aus Pachtflächen bestanden. Heute haben sie diese stark verkleinert und brauchen Pachtflächen, um ihre Prämienrechte zu platzieren. Sie tun dies, indem sie großflächige Almen pachten.
Der Pachtzins dafür ist zwar hoch, aber doch deutlich kleiner wie für Agrarflächen in der Poebene. Daher hat Herr Leitner Recht, wenn er diese Praxis als Unsinn bezeichnet. Die Gründe, die er dafür nennt haben allerdings mit der Realität nichts zu tun und entsprechen der reißerischen Sprache seiner Partei.
In diesem Sinne vermutet Herr Leitner auch, dass ein System der "omertà" in Südtirol diese Praxis deckt. Auch hier schießt er vollkommen daneben. „Im Rahmen der Diskussion um die Reform der europäischen Agrarpolitik, die wir derzeit im Europäischen Parlament führen, arbeite ich intensiv daran, den Verteilungsschlüssel und die Zuweisungsmodalitäten für diese Betriebsprämien in der EU zu verändern, um solche Absurditäten abzuschaffen“, stellt Dorfmann klar. „Sowohl im Parlament als auch bei vielen Treffen und Vorträgen in Südtirol weise ich immer wieder auf diese Praxis der Pacht von Almen hin, die aufzeigt, dass einige Bestimmungen der europäischen Agrarpolitik dringend zu ändern sind, weil nur dadurch mehr Verteilungsgerechtigkeit erreicht werden kann“, so der EU-Parlamentarier weiter.
Der von Herrn Leitner zu Recht aufgezeigte Missstand hat also nichts mit einem Schwindel zu tun. Vielmehr ist er eine legale Perversität des heute geltenden Systems. „Wenn es also darum geht, die Regeln, die diesem Unfug zu Grunde liegen, zu verändern, hat er in mir und wohl auch in den zuständigen Landespolitikern - allen voran dem zuständigen Landesrat Hans Berger - einen Verbündeten. Wenn es aber darum geht, hier Missstände in der Südtiroler Politik zu konstruieren, rate ich Herrn Leitner, sich die Bestimmungen der Europäischen Agrarpolitik genauer zu Gemüte zu führen“, kontert Herbert Dorfmann abschließend.
Brixen/Brüssel 24.04.2012 – 15.00 Uhr

Veröffentlicht am 24.04.2012
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