Europäische Tagung in Meran: Raiffeisen unterstreicht eigene Autonomie im Rahmen der Reform der italienischen Genossenschaftsbanken

„Europäische Bankenunion: Chancen und Risiken für Genossenschaftsbanken“. Unter diesem Motto diskutierten am Freitag, 15. Mai  im Kurhaus von Meran auf Einladung des Raiffeisenverbandes und der Raiffeisen Landesbank genossenschaftliche Spitzenvertreter aus Italien, Österreich, Deutschland und Südtirol die anstehenden Herausforderungen für die Genossenschaftsbanken.

Die Genossenschaftsbanken stehen europaweit vor großen Herausforderungen, so der einhellige Tenor in Meran. In Sachen Bankenunion wurde vor allem die fehlende Verhältnismäßigkeit in der Regulierung von Großbanken und Kleinstbanken, wie es die Genossenschaftsbanken sind, kritisiert. Einig waren sich die Spitzenvertreter darin, dass Proportionalität und Größenverhältnisse der einzelnen Banken(gruppen) noch stärker ins Gewicht gebracht werden müssten. zu starke einheitliche Regulierung würde die klein strukturierten Genossenschaftsbanken benachteiligen.
Solidarität zeigen, auf Autonomie beharren
Der Obmann des Raiffeisenverbandes Heiner Nicolussi-Leck betonte vor allem auch die Tragweite der von der Regierung Renzi geforderten Selbstreform der italienischen Genossenschaftsbanken, die eine grundlegende Neuordnung des Sektors zur Folge hat. „Hier sind wir bestrebt, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln einen autonomen Südtiroler Weg zu verwirklichen, der unseren Besonderheiten Rechnung trägt.“ „Die Tagung bot einen guten Rahmen nochmals hinzuweisen, dass wir als Raiffeisenorganisation Südtirol uns im nationalen Verbund der Genossenschaftsbanken sehr wohl solidarisch zeigen wollen, dass wir umgekehrt aber auch weiterhin darauf bestehen, dass Raiffeisen Südtirol einen eigenen Weg gehen kann", meinte Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes. „Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir erfolgreich aufgestellt sind“, meinte Raiffeisen Landesbank-Präsident Michael Grüner, der auf die Stabilität der Südtiroler Raiffeisenkassen verwies.“
Alessandro Azzi: mehr Integration und Effizienz
Der wirtschaftliche Erfolg der Südtiroler Raiffeisen Geldorganisation wurde auch von Alessandro Azzi,Präsident des Zentralverbandes der Italienischen Raiffeisenkassen (Federcasse) in seinem Referat explizit anerkannt. In Bezug auf die Selbstreform unterstrich Azzi die Bedeutung der Autonomie der lokalen Genossenschaftsbanken, forderte gleichzeitig aber eine starke Integration innerhalb des Verbundes, um Effizienz und Schlagkraft zu erhöhen.
Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (18 Mio. Mitglieder, 30 Mio. Kunden) bezeichnete als die wichtigsten Brennpunkte für die Genossenschaftsbanken neben der Bankenunion die Überregulierung, die Niedrigzinsen, die Digitalisierung sowie den wachsenden Wettbewerb mit den sogenannten „Nicht-Banken“. Fröhlich kritisierte auch die zunehmende Politisierung der EZB, mit deren Strategie man sich zunehmend unwohl fühle. Walter Rothensteiner, Generalanwalt des Österreichischen Raiffeisenverbandes, betonte u.a., dass die Genossenschaftsbanken nur überlebensfähig bleiben, solange sie ihre zentralen Werte wie Stabilität, Subsidiarität und die Regionalität leben und umsetzen könnten.

Europaparlamentarier Herbert Dorfmann ging in seinem Überblick über die zentralen Inhalte der Bankenunion auf die politischen Hintergründe der Bankenunion ein. „Man dürfe nicht vergessen“, so Dorfmann, „dass die Bankenkrise von Banken verursacht worden ist“. Die politischen Bestrebungen der Regulierung in Brüssel müssten aber ein Mittelweg sein, der besonders auch die kleinen Banken nicht in denselben Topf wirft wie die Big Player und systemrelevanten Banken am Markt.

Bei der Tagung im Kursaal von Meran nahmen u.a. zudem teil: Lars Hille, Vorstandsmitglied der DZ Bank AG, Walter Rothensteiner, Generalanwalt des Österreichischen Raiffeisenverbandes, Iccrea-Präsident Giulio Magagni, ABI-Vize-Generaldirektor Gianfranco Torriero, Konrad Irtel, ehrenamtlicher Verbandspräsident und Verbandsratsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes Bayern.

Veröffentlicht am 15.05.2015
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