Ein Vierteljahrhundert ohne Grenzkontrollen

Brenner – Im Jahre 1997 die Alpenrepublik Österreich dem Schengenraum bei. Im Jahre 1998 war es dann endlich so weit: die Grenzkontrollen fielen! Für die Menschen in Nord- und Südtirol war das ein Ereignis von historischer Tragweite. Anlässlich des 25. Jubiläums haben die Südtiroler Volkspartei, die Tiroler Volkspartei und die jeweiligen Europaparlamentarier Herbert Dorfmann (SVP) und Barbara Thaler (ÖVP) eine Festveranstaltung im Plessi-Museum am Brenner organisiert. Besondere Gäste waren die Alt-Landeshauptleute Luis Durnwalder und Wendelin Weingartner.

„Mit dem Wegfallen der Grenzkontrollen zu Österreich und damit zu Tirol ist ein Herzensanliegen verwirklicht worden. Offene Grenzen gehören in der ganzen EU zum Selbstverständnis der jüngeren Generationen. Für uns als Minderheit in Italien bedeuten sie wesentlich mehr. Sie sind Ausdruck der Überwindung von nationalstaatlichem Denken, sie tragen ein Stück weit zur Heilung von Wunden bei. Wunden, die im kollektiven, historischen Gedächtnis des Landes durch die gewaltsame Annexion Südtirols immer noch präsent sind“, betonte Parteiobmann Philipp Achammer.

Der Europaabgeordnete Herbert Dorfmann sowie seine Tiroler Kollegin im EU-Parlament, Barbara Thaler, unterstrichen die Bedeutung offener Grenzen. Sie stellen ein wesentliches strategisches Element dar, auf das wir bauen, um grenzüberschreitende Politik zu verwirklichen. „Die offene Grenze zwischen Südtirol und dem Bundesland Tirol empfinden die Menschen in ganz Tirol als einen der größten Errungenschaften der Europäischen Union. Dabei geht es bei weitem nicht nur darum, dass an der Grenze am Brenner, in Winnebach oder am Reschen keine Polizei mehr steht, es geht darum, dass wieder zusammenwächst, was fast ein Jahrhundert lang getrennt war,“ unterstreicht Herbert Dorfmann.

“Was 1985 in einem kleinen Örtchen in Luxemburg im Dreiländereck mit Deutschland und Frankreich begann, ist heute mehr denn je eines der wichtigsten Grundlagen des Europäischen Kontinents. Das Schengener Abkommen ist das Bekenntnis, einen gemeinsamen, grenzenlosen Raum zu schaffen. Und es machte es 13 Jahre später möglich, dass auch die Grenze zwischen Tirol und Südtirol wieder fallen konnte. Vor 25 Jahren ist der Brenner also „grenzenlos“ geworden. Es wurde in der Europäischen Union verbunden, was zusammengehört. Es ist unsere Aufgabe, das Schengen-Projekt in der EU weiterzuführen und auf allen Ebenen zu vollenden,” ergänzt Barbara Thaler.

Besondere Gäste beim Festakt im Plessi-Museum waren zudem die Alt-Landeshauptleute Luis Durnwalder und Wendelin Weingartner. Der Fall der Grenzbalken fiel in ihre Amtszeit. Beiden ist der 1. April noch eindrücklich in Erinnerung geblieben. Die Musikkapellen, die Schützenkompanien, zahlreiche weitere Vereine sowie Menschen aus Nord- und Südtirol feierten damals mit einem großen Volksfest diese europäische Errungenschaft. Sowohl für Durnwalder, als auch für Weingartner stellt der 1. April 1998 einen Höhepunkt in ihren politischen Karrieren dar.

Die politische Wichtigkeit offener Grenzen unterstrichen ebenfalls die Landeshauptleute Süd- und Nordtirols, Arno Kompatscher und Anton Mattle.

Arno Kompatscher: “Das Wegfallen der Grenzkontrollen am Brenner markiert wie kein anderes Ereignis den Aufbruch der historischen Landesteile Tirols in ein modernes offenes Europa. Das Europa der offenen Grenzen bietet uns zahllose Chancen, unsere kulturelle Vielfalt auszuschöpfen, im Bewusstsein als Brücke zwischen dem Norden und dem Süden Europas das Beste für unser Land zu erreichen.”

Veröffentlicht am 03.04.2023
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