Bär und Wolf: Wie geht’s weiter?

Seit 2010 sind einzelne männliche Wölfe in Südtirol unterwegs; seit diesem Sommer bewegt sich ein neugebildetes Rudel zwischen dem Fassa- und Gadertal: Südtirol, wurde bei der Sitzung am Montag dargelegt, wird in Zukunft zunehmend mit Wölfen rechnen müssen.

Bären-Bewegungen waren hingegen heuer weniger als noch im vergangenen Jahr zu verzeichnen. Weder von Wölfen noch von Bären gab es bis jetzt Populationen, die sich ständig in Südtirol aufhielten. Auf landes-, italienweiter und europäischer Ebene wurde bei einer Sitzung in den Räumen der Abteilungen Landwirtschaft und Forstwirtschaft in Bozen das weitere Vorgehen im Hinblick auf den Wolf thematisiert.

Neben Land- und Forstwirtschaftslandesrat Arnold Schuler und Umweltlandesrat Richard Theiner, den Senatoren Hans Berger und Karl Zeller, Parlamentarier Albrecht Plangger und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann nahmen an dem Treffen auch der Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei in der Abteilung Forstwirtschaft Luigi Spagnolli, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner, der Direktionsassistent des Jagdverbandes Benedikt Terzer und Michl Ebner in seiner Funktion als Präsident des europäischen Zusammenschlusses der Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung teil.

Herbert Dorfmann bereite Stellungnahme vor

„Es gibt“, berichtete EU-Parlamentarier Dorfmann, „keine Region in Europa mit einer Koexistenz zwischen Wolf und Mensch - außer in der Schweiz, wo die Herdentiere aber massiv geschützt werden müssen.“ Als Berichterstatter der Europäischen Volkspartei in Brüssel bereite er derzeit eine Stellungnahme vor, in der die Schwierigkeit der Koexistenz von Menschen und Wölfen in dichtbesiedelten ländlichen Gebieten hervorgehoben wird.

Senator Hans Berger betonte, es brauche ein „Mannschaftsspiel der ganzen Alpenregion, um einen gemeinsamen Weg im Umgang mit dem Wolf zu gehen.“

Auf ein großes Problem wies Amtsdirektor Spagnolli hin: die Hybridisierung, also die Kreuzung zwischen Hunden und Wölfen, wobei bis jetzt in Südtirol keine Hybriden festgestellt wurden. „Wir haben“, legte Spagnolli dar, „genetische Spuren von allen Wolfs-Exemplaren, die sich in Südtirol aufgehalten haben.“

Für eine „pragmatische Lösung“ sprach sich Landesrat Theiner aus.

Der Präsident des europäischen Zusammenschlusses der Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung Michl Ebner unterstrich, dass der Wolf nicht ein Problem der Jagd sei, sondern vielmehr ein Problem der Landwirtschaft und auch des Tourismus. Zudem stelle sich ein ethisches Problem, warum ein Schaf weniger wert sei als ein Wolf.

Tiefenthaler: Landwirtschaft fordert wolfsfreie Zonen

Es gehe nicht um einen Problem-Wolf, sondern der Wolf an sich sei das Problem. Man könne nicht nur Bären und Wölfe schützen, erklärte Bauernbund-Obmann Tiefenthaler, sondern man müsse auch die vom Menschen gezüchteten Tiere schützen: „Als Vertreter der Bauern und der Landwirtschaft werden wir weiterhin eine wolfsfreie Zone fordern, damit die Politik einen Kompromiss heraushandelt.“

Auf EU-Ebene fehle das Monitoring der durch Wölfe und auch Bären angerichteten Schäden, wies Bauernbund-Direktor Rinner hin: „Wir müssen auch die negative Seite durch die zunehmende Ausbreitung der Großraubtiere dokumentieren.“ Was den Herdenschutz betreffe, sagte Landesrat Schuler, gelte es, eine gemeinsame Lösung mit den Bauern zu entwickeln: „Wir werden ein Projekt im Ultental beginnen und beobachten, was machbar ist.“

Auch Landesrat Schuler mahnte einen Schulterschluss auf Landesebene wie in Rom und Brüssel an. In absehbarer Zeit, beschloss er die Sitzung am Donnerstagnachmittag, werde wieder eine Sitzung in dieser Runde anberaumt.

Quelle: lpa/stol

Veröffentlicht am 24.10.2017
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