Anhörung zur Alkoholkennzeichnung im Europäischen Parlament

Brüssel, 18.10.17 - Im März dieses Jahres forderte die EU-Kommission die Produzenten alkoholischer Getränke auf, innerhalb von 12 Monaten einen Sektor-übergreifenden Vorschlag zur einheitlichen Zutaten- und Nährwertkennzeichnung aller alkoholischen Getränke vorzulegen. Richtlinien, wie dies zu geschehen habe, wurden aber nicht erlassen. Das stellt die Hersteller vor große Probleme. Ist es überhaupt möglich, Bier, Wein und Spirituosen über einen Kamm zu scheren? Haben die nicht in großen europäischen Verbänden organisierten Hersteller überhaupt Kenntnis von diesem Zwang zur Selbstregulierung? Könnten Kleinstunternehmen die Kosten stemmen, die eventuell auf sie zukommen?
Die EVP-Europaabgeordneten Dr. Renate Sommer und Herbert Dorfmann führten deshalb eine Anhörung im Europäischen Parlament durch, die Vertreter der drei Alkoholsektoren, inklusive kleiner Hersteller, die EU-Kommission und Abgeordnete zusammenbrachte.

 

„Mit der Anhörung wollten wir uns ein Bild über die Fortschritte der Hersteller bei der Erarbeitung eines gemeinsamen Kennzeichnungskonzepts machen. Dabei war es uns wichtig, auch Vertreter kleiner Unternehmen zu Wort kommen zu lassen. KMU sind am Verhandlungstisch in Brüssel nämlich oft nicht vertreten. Dabei besteht gerade für Kleinstunternehmen die Gefahr, dass sie durch neue Vorgaben technisch und finanziell überfordert werden. Schließlich kann eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung teure Laboranalysen, den Druck immer neuer Etiketten oder auch die Anschaffung zusätzlicher Maschinen erfordern.

 

Die Diskussion hat gezeigt, dass man Bier, Wein und Spirituosen nicht über einen Kamm scheren kann. Eine einheitliche Nährwertkennzeichnung pro 100ml macht insbesondere bei Spirituosen, die in viel kleineren Einheiten verzehrt werden, keinen Sinn. Aber auch Angaben pro EU-weit einheitlichen Portionen sind schwierig, da Portionen sich traditionsbedingt national oder sogar regional deutlich voneinander unterscheiden. Für kleine Winzerbetriebe wäre die exakte Bestimmung des Kaloriengehalts der Weine nur im Labor möglich, weil er schon von Flasche zu Flasche variieren kann. Und wie sollte man für jede einzelne Flasche ein eigenes Etikett produzieren? Dies sind nur einige der vielen Probleme, die es zu bewältigen gilt.

 

Wir brauchen also einen pragmatischen Ansatz, mit dem alle Hersteller (über-)leben können, der aber natürlich auch die gewünschte Verbraucherinformation liefert. Die EU-Kommission muss von ihrer starren Haltung abrücken, dass alle Informationen immer auf dem Flaschenetikett stehen müssen. Sonderregelungen, wie die Online-Information oder in der Praxis taugliche Toleranzen für die Nährwertdeklaration auf Basis des Alkoholgehaltes sind unumgänglich. Und wir müssen Rücksicht nehmen auf die vielen zigtausend Kleinstbetriebe, die ohnehin nur regional vermarkten. Das ist schließlich auch im Sinne der Verbraucher.

 

Dr. Renate Sommer, MdEP ist Parlamentsberichterstatterin der zugrundeliegenden Lebensmittelinformationsverordnung und Präsidentin des EP Beer Clubs.

Herbert Dorfmann, MdEP, ist Vorsitzender der Parlamentarischen Intergroup „Wein, Spirituosen und Qualitätslebensmittel“

Veröffentlicht am 19.10.2017
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